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Baguazhang – Die Hand der 8 Trigramme

(andere Schreibweisen: Bagua, Bagua Zhang, Pa Kua Chang)


Die Ursprünge des Baguazhang sind nicht genau zu klären. Frühe Formen sollen aber in daoistischen Klöstern als Geheimtradition praktiziert worden sein: es soll sich aus einer im Kreis gehenden Meditation um Weihrauchbrenner entwickelt haben. Bekannt wurde Baguazhang durch Dong Haichuan (1797-1882), der es erstmals öffentlich Unterrichtete und manchmal auch als Gründer der Lehre angesehen wird.

Als seine philosophische Grundlage gilt das I Ging, das Buch der Wandlungen. Das I Ging behandelt die Prinzipien des ewigen Wandels: so verändern sich auch beim Kampf die Bewegungen, das Tempo und die Richtungen ständig und ohne Unterbrechung, man steht niemals still. 
So beruht die Lehre des Bagua auf der Beobachtung, dass die Natur und damit auch wir Menschen als ein Teil von ihr, einer beständigen Wandlung und Veränderung unterliegen.

Typisch für das Bagua ist das Gehen auf einer gedachten Kreislinie sowie die zahlreichen Dreh- und Spiralbewegungen. Auch die Technik des Kreisgehens ist sehr speziell: beim Gehen wird die ganze Fußsohle fast gleichzeitig abgehoben und der Fuß greift beim Absetzen in den Boden.

Ähnlich der Erde, die um die Sonne kreist und sich dabei auch um sich selbst dreht, so drehen sich bei Bagua Zhang nicht nur der Körper um das Zentrum, sondern auch die anderen Teile des Körpers, vornehmlich die Arme und Hände, um ihre eigenen Achsen. Diese Bewegungen sind sehr rund und fließend.

Baguazhang orientiert sich an den Gegebenheiten der Natur und den Bewegungen der 8 Tiere Schwalbe, Adler, Bär, Affe, Drache, Schlange, Tiger und Pferd. 

Auch der Name „Baguazhang“ geht auf das I-Ging zurück: „Ba“ ist die Zahl Acht. „Gua“ ist ein Trigramm aus dem I Ging. Das Wort „Zhang“ bedeutet „Handfläche“ und beschreibt den Schwerpunkt dieser Kampfkunst: es geht um den gezielten Einsatz der Handflächen. Baguazhang kann daher auch als die "Hand der 8 Trigramme" übersetzt werden.

Während „Quan“ so viel wie „Faust“ bedeutet und in vielen chinesischen Kampfkünsten Namensbestandteil ist (so auch beim Taijiquan), ist das Wort „Zhang“ einzig auf das Baguazhang bezogen. Die Zahl Acht spielt im Bagua eine sehr wichtige Rolle. Zum einen wird beim Bagua im Kreis gelaufen. Ein vollständiger Kreis soll in acht Schritten durchlaufen werden. Des Weiteren beziehen sich die acht Schritte auf die acht Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden, Westen, Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten. Die Acht bezieht sich auch auf die acht generellen Richtungen des Lebens: Erfolg, Familie, Ruhm, Arbeit, Gesundheit, Zukunft, Wissen und Beziehungen.

Bagua steigert - regelmäßig praktiziert - die Beweglichkeit des Körpers weit über das Maß der meisten Formen des Taijiquan. Es kann sowohl langsam als auch schnell praktiziert werden. In der langsamen Form hat es einen sehr stark meditativ energetischen Charakter. Schnell ausgeführt wird es zu einem wirbelwindartigen Drehen und Kreisen des Körpers und aller Gliedmaßen. In der Kampfanwendung trainiert es die Fähigkeit, durch schnelle Wendungen und Bewegungen in den Rücken des Gegners zu gelangen und sich gegen mehrere Gegner gleichzeitig zu wehren.

Das Baguazhang stärkt den Körper im Innersten - muskulär wie auch energetisch auf kaum vorstellbare Weise.

Es heißt, dass diejenigen, die im Altertum diese Form praktizierten, sehr alt wurden und für ihre Kampfkunst sehr berühmt.

Die gesundheitlichen Wirkungen von Baguazhang sind hierzulande noch wenig bekannt. Das Kreislaufen hat erstaunlich gute Wirkung auf das zentrale Nervensystem (Gleichgewicht, Koordination, Reaktionsvermögen etc.); die Bagua-Positionen stärken Hüfte und Beine, den Rücken, mit aufrechter Wirbelsäule durchziehen die Arme und Hände spiralförmige Kreise und Drehungen, die die Meridiane öffnen und das „Qi“ die innere Lebensenergie zum Fließen bringen.

Die Bagua-Form, die ich bei Meister Tian Liyang erlerne, enthält zusätzlich viele Elemente aus dem Xingyiquan und wird daher auch „Xingyi Bagua“ genannt.

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